Heizen mit Schilf

Das Dorf Kaltbrunn am Bodensee wird demnächst seine Wärme aus verbranntem Schilf beziehen. Im Herbst 2009 ist es soweit: dann wird das erste Schilfheizkraftwerk Deutschlands in Betrieb genommen. Der Rohstoff wächst direkt vor der Tür und wird nicht extra angebaut. Das Schilf wird nahegelegenen Naturschutzgebieten entnommen. Dort wurde es bisher immer aus Zwecken der Landschaftpflege regelmäßig geschnitten und hinterher ungenutzt entsorgt.

Dem Projektleiter Gerhard Worm und seinem Freund, Biobauer Helmut Müller kam 2006 die Idee mit dem Schilfheizkraftwerk. Bevor man sich Gedanken über die Finanzierung und den Bau eines Schilfheizkraftwerks Gedanken machen konnte, musste zunächst herausgefunden werden, ob sich das Heizen mit Schilf überhaupt lohnt.

Brennwert fast so hoch wie bei Holz

Dabei ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass es einen fast so hohen Brennwert wie Holz besitzt. Eine Technik zur optimalen Verfeuerung musst nicht erst noch erfunden werden. In Dänemark gibt es bereits Erfahrung mit Heizkraftwerken, die Stroh verbrennen. Die darauf basierende Technik wird nur noch um Feinstaubfilter ergänzt. Außer dem Schilf wird Riedgras in dem Ofen verbrannt.
Das im Kraftwerk erwärmte Wasser fließt durch eine 3,8 km lange Ringleitung zu den Verbrauchern, die für die Kosten des Anschlusses selbst aufkommen müssen.

Zuschuss vom Staat

Von den 3.000 € zahlt der Staat aber einen Zuschuss von 1.800 €. Von den 160 Haushalten wollen sich 100 anschließen lassen. Laut Worms sind für die Verwirklichung des Projekts an die 1,9 Millionen Euro fällig. Die Kilowattstunde soll mit elf Cent berechnet werden und ist damit drei Cent billiger als das zuvor bezogene Heizöl.

Durch das Schilfheizkraftwerk werden jährlich 250.000 l Heizöl und 80% CO2-Ausstoß eingespart. 250.000 € legt die Landesregierung in Stuttgart für den Bau dazu. Außerdem sagte sie Schilflieferungen für die nächsten 15 Jahre zu. Vorteilhaft bei dem Schilfheizkraftwerk ist, dass das Heizmittel nicht erst kilometerweit durch die Gegend gefahren werden muss, keine Nahrungsmmittel verbrannt werden, Landschaftpflege unterstützt und Klimaschutz betrieben wird und die Wärme noch dazu kostengünstig ist.